Ein guter Spotify-Pitch beschreibt in wenigen Sätzen, wie dein Song klingt, worum es geht und was du rund um den Release planst. Hier findest du sechs ausformulierte Beispiele für fiktive Songs aus verschiedenen Genres und einen Bauplan, mit dem du deinen eigenen Text schreibst. Alle Artists, Songs und Städte in diesen Beispielen sind erfunden.
Die Beispiele sind Vorlagen zum Verstehen, nicht zum Kopieren. Die Redaktion liest sehr viele Pitches. Was hängen bleibt, sind konkrete Details, die nur zu deinem Song passen.
Wofür der Pitch-Text da ist
Der Pitch-Text hilft der Redaktion, deinen Song richtig einzuordnen. Spotify fragt im Formular nach der Story des Songs: worum es geht, was er dir bedeutet und ob du mit jemandem zusammengearbeitet hast. Dazu kommen Angaben zu Genre, Herkunft und weitere Tags.
Der Text ersetzt nicht das Hören. Er sorgt dafür, dass dein Song bei der richtigen Person und im richtigen Kontext landet. Deshalb ist „Hammer-Track, unbedingt anhören!“ ein schwacher Pitch: Er sagt nichts darüber, wo der Song hinpasst.
Was in die übrigen Felder gehört, erklärt der Ratgeber zum Spotify-Pitch-Formular.
Der Bauplan: vier Bausteine
Fast jeder gute Pitch besteht aus vier Teilen. Du musst nicht alle vier in gleicher Länge schreiben, aber jeder sollte vorkommen.
| Baustein | Frage dahinter | Beispiel-Formulierung |
|---|---|---|
| Sound | Wie klingt der Song, woran erinnert er? | „Langsamer Trap-Beat mit verstimmtem Klavier und gesungener Hook“ |
| Story | Worum geht es, warum gerade jetzt? | „Geschrieben in der Woche, in der ich aus meiner Heimatstadt weggezogen bin“ |
| Kontext | Wer bist du, was gab es vorher? | „Zweite Single nach meinem Debüt im Frühjahr, produziert mit meinem Bruder“ |
| Plan | Was passiert rund um den Release? | „Musikvideo am Release-Tag, Release-Konzert im Jugendzentrum, TikTok-Serie zur Entstehung“ |
Schreib in ganzen, schlichten Sätzen. Keine Superlative, keine Großbuchstaben, keine Emojis. Die Redaktion liest einen Text, keine Anzeige.
Beispiel 1: Deutschrap
Fiktiver Song: „Treppenhaus“ von einem Rapper aus einer Kleinstadt.
„Treppenhaus“ ist ein ruhiger Rap-Song über den Block, in dem ich aufgewachsen bin, erzählt aus der Sicht von heute. Der Beat ist langsam, mit Boom-Bap-Drums, einem gesampelten Rhodes und viel Raum für die Stimme. Ich habe den Song mit einem Producer aus meiner Stadt gemacht, den ich seit der Schule kenne. Es ist die zweite Single vor meiner ersten EP. Zum Release gibt es ein Video, das im echten Treppenhaus gedreht wurde, und eine Reihe kurzer Clips, in denen Nachbarn aus dem Haus ihre Geschichte erzählen.
Was gut ist: Sound und Story sind konkret, der Plan ist überprüfbar und passt zum Song.
Beispiel 2: Deutschpop
Fiktiver Song: „Halbe Sachen“ einer Pop-Sängerin.
„Halbe Sachen“ ist ein Pop-Song über eine Beziehung, die nie ganz begonnen hat. Er startet nur mit Gitarre und Stimme und baut sich im Refrain zu einem großen Chor mit Drums auf. Ich schreibe auf Deutsch und bin von Songwriterinnen beeinflusst, die Alltagssprache singen. Den Text habe ich allein geschrieben, produziert hat ihn eine Freundin aus meinem Studiengang. Zum Release spiele ich drei Akustik-Sessions auf Instagram und lade meine Hörer*innen ein, ihre eigenen „halben Sachen“ zu erzählen.
Was gut ist: Die Dynamik des Songs wird beschrieben, und die Kampagne hat eine Idee, die mit dem Thema spielt.
Beispiel 3: Electronic / House
Fiktiver Track: „Nachtbus“ eines House-Producers.
„Nachtbus“ ist ein House-Track mit 122 BPM, warmen Chords und einem gefilterten Vocal-Sample, gedacht für die Stunde nach dem Club. Ich habe ihn auf dem Heimweg nach einem Set geschrieben und die Melodie direkt ins Handy gesummt. Der Track ist instrumental bis auf ein kurzes, wiederholtes Vocal. Ich spiele ihn seit zwei Monaten in meinen DJ-Sets in Leipzig. Zum Release gibt es einen Live-Mitschnitt aus dem Club und eine Playlist mit Tracks, die mich auf dem Heimweg begleiten.
Was gut ist: Tempo, Einsatzort und Stimmung sind klar. Die Redaktion weiß sofort, in welche Ecke der Track gehört.
Beispiel 4: Singer-Songwriter
Fiktiver Song: „Kleiner Hafen“ eines Singer-Songwriters.
„Kleiner Hafen“ ist ein ruhiger Folk-Song mit Fingerpicking-Gitarre, Cello und zweistimmigem Gesang. Er handelt von meinem Großvater, der bis zu seinem Tod jeden Morgen zum Hafen gegangen ist. Ich habe den Song in einem Take im Wohnzimmer aufgenommen, das Cello kam später dazu. Es ist mein erster Song auf Deutsch nach zwei englischen EPs. Zum Release spiele ich eine kleine Wohnzimmer-Tour mit fünf Terminen in Norddeutschland.
Was gut ist: Die persönliche Geschichte ist kurz erzählt, ohne kitschig zu werden. Der Sprachwechsel ist eine echte Information für die Redaktion.
Beispiel 5: Englischer Pitch für Indie-Pop
Fiktiver Song: „Paper Planes in June“ einer Indie-Band aus Köln.
“Paper Planes in June” is a bright indie-pop song with jangly guitars, a driving bassline and a chorus built for singing along. We wrote it about the last summer before our drummer moved to another city. The song was recorded live in our rehearsal room in Cologne, with only the vocals added later. It is the first single from our debut EP. On release day we play a free show in our hometown and publish a short documentary about the recording.
Was gut ist: Gleicher Bauplan, andere Sprache. Wenn du international pitchen willst, ist Englisch die sichere Wahl.
Beispiel 6: Kurzer Pitch, wenn wenig zu erzählen ist
Nicht jeder Song hat eine große Geschichte. Auch dann kannst du einen sauberen Pitch schreiben.
„Leise“ ist ein melancholischer Lo-Fi-Beat mit Vinyl-Rauschen, gedämpftem Klavier und Regen im Hintergrund. Er ist zum Lernen und Abschalten gedacht und Teil einer Reihe von Beats, die ich jeden Monat veröffentliche. Ich produziere alles allein in meinem Zimmer. Zum Release teile ich ein Video, das zeigt, wie der Beat entsteht.
Was gut ist: Ehrlich, kurz, mit klarem Einsatzzweck.
Typische Fehler und bessere Formulierungen
Viele Pitches scheitern an denselben Mustern. Hier ein paar Gegenüberstellungen:
| Schwach | Besser |
|---|---|
| „Der krasseste Song des Jahres“ | „Schneller Drill-Beat mit melodischer Hook und sehr direktem Text“ |
| „Für Fans von allen großen Stars“ | „Für Hörer*innen von ruhigem deutschem Rap mit Alltagsthemen“ |
| „Wir machen viel Promo“ | „Musikvideo am Release-Tag, drei Live-Sessions in der ersten Woche“ |
| „Bitte unbedingt anhören!!!“ | (weglassen) |
| „Song über Liebe“ | „Song über eine Fernbeziehung, die an der Zeitverschiebung scheitert“ |
Nenn keine erfundenen Zahlen, keine Platzierungen, die es nicht gab, und keine Versprechen, die du nicht hältst. Die Redaktion kann vieles nachprüfen.
So schreibst du deinen eigenen Pitch
Nimm dir für deinen Pitch eine halbe Stunde, nicht fünf Minuten. So gehst du vor:
- Hör deinen Song dreimal und notiere Instrumente, Tempo, Stimmung und den Moment, für den er gemacht ist.
- Schreib die Story in einem Satz. Worum geht es wirklich?
- Notier zwei Fakten zu dir: woher du kommst, was du bisher veröffentlicht hast, mit wem du arbeitest.
- Liste deinen Plan: Video, Live-Termine, Social-Serie, Pre-Save.
- Bau daraus vier bis fünf Sätze nach dem Bauplan oben.
- Kürze. Streich jedes Adjektiv, das keine Information trägt.
- Lass jemanden gegenlesen, der den Song nicht kennt. Versteht die Person, wie er klingt?
Pitche rechtzeitig, damit du nicht in Eile schreibst. Wann genau, steht unter Spotify-Pitch: wie lange vorher.
Pitch-Texte für Kurator*innen
Unabhängige Kurator*innen lesen deinen Pitch anders als die Spotify-Redaktion. Sie wollen wissen, warum dein Song in genau ihre Playlist passt. Deshalb gehört dort ein persönlicher Satz zur Playlist dazu. Beispiele für solche Nachrichten findest du im Ratgeber Playlist-Kuratoren anschreiben.
Den Spotify-Pitch-Text kannst du als Grundlage nehmen und für Apple Music oder Amazon Music anpassen. Dort fragen die Formulare eher nach Marketing und Fokus-Tracks. Mehr dazu unter Playlist-Pitching über den Vertrieb. Und wenn der Pitch trotz gutem Text nichts gebracht hat: Das ist normal. Was du dann tust, steht unter Spotify-Pitch abgelehnt.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Spotify-Pitch-Text sein?
So lang, wie das Textfeld in Spotify for Artists erlaubt, aber nicht länger als nötig. Das Formular zeigt dir die Zeichengrenze direkt an. Drei bis fünf kurze Sätze zu Sound, Story und Marketing reichen in der Regel.
Soll ich den Pitch auf Deutsch oder Englisch schreiben?
Für einen deutschsprachigen Song mit Zielgruppe in Deutschland ist Deutsch naheliegend. Willst du auch internationale Playlists erreichen, ist Englisch die sichere Wahl. Wichtiger als die Sprache ist, dass der Text klar und konkret ist.
Darf ich Streamingzahlen in den Pitch schreiben?
Ja, wenn sie stimmen und etwas aussagen. Ein Satz wie „Meine letzte Single lief gut in Listener-Playlists in meiner Stadt“ ist hilfreicher als eine aufgeblasene Zahl. Erfinde nie etwas, die Redaktion sieht deine Daten.
Kann ich einen Pitch-Text mehrmals verwenden?
Den Aufbau ja, den Text nein. Jeder Song hat eine eigene Story und einen eigenen Sound. Ein kopierter Pitch liest sich generisch und hilft der Redaktion nicht beim Einordnen.
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